Neuer Grader weckt Erinnerungen

Während es für die einen "nur" eine weitere Investition in unseren Maschinenpark ist, sehen andere den neuen Grader als Symbol für die Innovationskraft, die seit jeher ein Merkmal unseres Unternehmens ist. Ein Erdhobel der Firma Wachenfeld wurde in den 1960er Jahren zum Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte des Straßenbaus in Deutschland.

Mitte des 20. Jahrhunderts war der Straßenbau in besonderem Maße gefordert. Das boomende Verkehrsaufkommen übertraf alle Prognosen. Es gab sogar Befürchtungen, dass Ausbau und Verbesserung des Straßennetzes die deutschen Bauunternehmen überfordern könnten. Um im stärker werdenden internationalen Wettbewerb mithalten zu können, waren effektivere Lösungen in technischer wie methodischer Hinsicht gefragt.

Kräftezehrend und zeitaufwendig

Bis 1960 war der Straßenbau noch eine überwiegend manuelle Tätigkeit. Aus Kapazitätsgründen wurde der benötigte Straßenschotter oft Wochen im Voraus in langen Haufen am Straßenrand und auf dem Bankett gelagert. Von dort aus musste er mit Steingabeln von Hand zum Einbau geschafft werden. Das war kräftezehrend und zeitraubend. Geeignete Maschinen gab es für diesen Arbeitsabschnitt seinerzeit noch nicht.

Geheime Experimente

Auf einer einsamen Kreisstraße, unbeobachtet von Bauaufsicht und Wettbewerbern experimentierte ein Wachenfeld-Bautrupp mit dem Prototyp eines O&K-Graders. Solche Erdhobel wurde bereits bei größeren Baumaßnahmen im Erdbau eingesetzt. Nun wurde versucht, mit dem Grader die wassergebundene Deckschicht aufzureißen, einzuebnen und den Schotter in dünner Schicht aufzutragen. Vor allem der Geduld und Geschicklichkeit des Fahrers war es zu verdanken, dass die Versuche schließlich ein Erfolg wurden.

Es war das erste Mal, dass die Schotterlage ebenflächig maschinell eingebaut wurde. Die damit erreichte hohe Stundenleistung stellte jedoch den Materialnachschub der Lieferwerke vor große Probleme. So musste in Teilabschnitten gebaut und der Grader mehrmals am Tag, mitsamt den dazugehörigen Walzen, termingenau von Baustelle zu Baustelle transportiert werden.

Misstrauische Bauaufsicht

Das schnelle Bautempo erregte das Misstrauen der Bauaufsicht, die den Einsatz eines Graders beim Schottereinbau schließlich sogar verbieten wollte. Als dann aber 1959 auf einer Bundesstraße in Westfalen über 1000 Tonnen Split pro Tag unter Aufrechterhaltung des Verkehrs eingebaut wurden, kamen fachkundige Beobachter aus nah und fern zur Baustelle. Das war der Durchbruch. Die Wettbewerber jedoch teilten die Skepsis der Straßenbaubehörden. Lange Zeit war Wachenfeld deshalb führend beim Einsatz des Graders, der heute zur Standardausstattung eines jeden Straßenbauunternehmens gehört.

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